Substanzgebrauch lässt sich aus der „Traumaperspektive“ häufig als Bewältigungs- und nicht selten sogar als Überlebensstrategie verstehen. Allerdings berichtet nur ein kleinerer Teil der Betroffenen spontan von ihren Erlebnissen. Oft mussten sie in früheren Therapien die Erfahrung machen, dass Therapeutinnen und Therapeuten ihre Berichte abblockten, hilflos oder überfordert reagierten. Die Erfahrungen sind dabei oft stark schambesetzt. Besonders männliche Betroffene berichten nur selten spontan von traumatischen Erfahrungen und werden noch seltener danach gefragt. Deshalb wird inzwischen empfohlen, Personen mit Suchtproblemen systematische Gesprächsangebote zu traumatischen Erfahrungen zu machen. Sinnvoll sind Teamschulungen zu traumasensibler Therapie, die auch Fragen zur Diagnostik abdecken. Welche Punkte dabei zu beachten sind, vermittelt etwa das Trainingsprogramm “Learning how to ask”, von der Neuseeländischen Arbeitsgruppe um John Read.
Generell muss zwischen der Diagnostik traumatischer Erfahrungen und der Diagnostik Posttraumatischer Störungen unterschieden werden. Zu beidem liegen inzwischen zahlreiche Instrumente vor, die auch in deutschen Versionen erhältlich sind. Die Auswahl der Instrumente (z.B. von den Betroffenen selbst auszufüllenden Fragebögen oder Interviews) hängt vom Ziel der Diagnostik ab (z.B. “Screening”, Diagnosestellung, Verlaufsbeurteilung) und von den jeweiligen Rahmenbedingungen. Vorteile von selbst auszufüllenden Fragebögen sind, dass sie einfacher durchzuführen sind und zunächst mehr Distanz und Kontrolle zulassen. In jedem Fall müssen “Screenings” durch eine weiterführende Diagnostik ergänzt werden.
Eine hilfreiche Übersicht zur Diagnostik von Traumatisierungen bei Personen mit Suchtproblemen findet sich auf der Website von Lisa Najavits.
Materialien zur Diagnostik bei Kindern und Jugendlichen, u.a. eine Übersicht zu deutschsprachigen Instrumenten finden sich z.B. auf der Website des Kindertraumatinstitutes.